29: Verbleibe auf dem Pfad – Formfreie Haikus


Verbleibe auf dem Pfad
Der aus dem Labyrinth Dich leitet
Zum Gipfel hinan

Steinig ist er, steil
Verlangt Dir alle Kräfte ab
Läutert Deinen Geist

Ziehe Deiner Wege
Still der Leib auf seinem Platze
Geist folgt bald schon nach

Samsara - Die Welt
Heroischer Schlachten stiller Zeuge
Rüste Dich zum Kampf

Düstere Dämonen
Die lang Du schon besiegt geglaubt
Steh‘n abermals vor Dir

Im Jetzt verweilst Du wohl
Wo Dein Pfad die Ewigkeit kreuzt
Wo ewig Du bist

‚Damals‘ gibt es nicht
Wo findest Du sonst dieses ‚Damals‘
Als im Geiste ‚Jetzt‘

Ein ‘Dort’ gibt es nicht
Wo findest Du wohl dieses ‘Dort’
Als im Geist im ‘Hier’

Wo findest Du den Baum
Den Du da drüben im Walde wähnst
Nur in Deinem Geist

Dieser schafft ein Bild
Bild ist’s, das Du bloß betrachtest
Bloß Bild vom Baum

Das Auge geschlossen
Den Baum - Du siehst ihn weiterhin
Da im Geist er wurzelt

Samsara - Achterbahn
Endlos fährst Du Runde um Runde
Auf und ab, ohne Ziel

Genießend die Fahrt
Jubelnd donnerst Du hinab
Nächste Runde beginnt

Leben und Sterben
Geburt folgt Tod, Tod folgt Geburt
Nur’s Karma im Gepäck

Narrenkarussel
Wir raffen nach Geld zeitlebens
Geh‘n doch mit leeren Händen

Heldenreise beginnt
Zauderst vor der ersten Schwelle
Überschreite sie

Nun - Der zweite Akt
Gefolgt dem Ruf zum Abenteuer
Die Bühne bereitet

Bewusstsein bist Du
Dem Himmel gleich offen, grenzenlos
Wolken zieh‘n vorüber

Tritt ein Stück zurück
Betrachte Gedanken, Gefühle
Wie sie weiterziehen

Pilger bist Du
Auf Wanderschaft zur Wahrheit
Die im Herzen liegt

Folgst den Genüssen
Bemüht der Mühsal zu entflieh‘n
Marionette der Lust

Das ziellose Ziel
Verfolge es um jeden Preis
So kehrt Frieden ein

Zur Seite blicke nicht
Ausgelegt sind schon die Köder
Lass Dich nicht verführen

Bedenke stets
Held bist Du dieser Pilgerfahrt
Dementsprechend handle

Sex, Drugs, Rock‘n‘Roll ?
Nicht böse ist’s danach zu lechzen
Führen nicht zum Ziel

Wein, Weib und Gesang ?
Führen Dich im Kreise bloß
Zum Erwachen nicht

Wonach Du gierst ?
Kurze Genüsse auf Ewigkeit
Bald öde und leer

Wie ein guter Film
Den hundertfach Du schon gesehen
Läuft Dein Leben ab

Schließe die Augen
Begib Dich nicht ins Drama hinein
Von fern bloß sieh es an

Irdisches Drama
Verwickelst Dich in Illusionen
Von Gier und Hass getrieben

Lass endlich los
Öffne die Faust in der Falle
Ziehe Deiner Wege

Was hältst Du fest ?
Mit Verbissenheit was bloß geliehen
Bald wird’s Dir ohnehin entzogen

Der Weg der Weisen
Den so viele schon gewandert
Beschreite ihn jetzt

Schmal ist jener Pfad
Breit der Weg den die Massen wählen
Du musst entscheiden

Einsam ist der Pfad
Überfüllt die Straßen der Welt
Wähle weise aus

Suchst Du den Applaus ?
Die Bewunderung der Weltlinge ?
Dann verbleib im Tal

Sumpfig ist das Tal
Schwaches Licht bricht nur herein
Luft bleibt kaum zum Atmen

Konsum und Genuss
Bewegt die Bürger des Tals
Im Kreise umher

Wie Automaten
Vom Treibstoff ‚Triebe‘ angetrieben
Hamsterrad befeuernd

Ohne sich zu fragen
Folgen sie blind dem Autopilot
Der Trieb bestimmt den Weg

Wenn die Einsicht folgt
‚Glück ist im Tale nicht zu finden‘
Keines von Dauer

Es wächst die Sehnsucht
Unerträglich wird Dir das Tal
Drohst zu ersticken darin

In dunkler Nacht
Erspähst Du den Gipfel am Horizont
Dort findest Du Dein Ziel

Steige hinauf
Verlasse mutig die Niederung
Das ist Deine Reise

Falsch bist Du hier
Wenn Du Beifall brauchst und Jubel
Bleib lieber unten

Der falsche Weg ist es
Suchst Du Reichtum und Unterhaltung
Bleib unten im Tal

Das Tal - ein Labyrinth
Voll elender Gänge und edler
Alle kennst Du sie

Hast Dich gewöhnt
Gemütlich hast Du dir’s gemacht
Nennst es ein Zuhause

Exil ist es jedoch
Verbannung aus der wahren Heimat
Kehr’ zurück nach Haus

Verlorener Sohn
Weshalb verdingst Du Dich als Schweinehirt
Das Erbe ist Dein

Ein Fremder bist Du hier
Verloren im Dornen-Gestrüpp
Wähl den Weg nach Haus

‚Erkenne Dich selbst‘*
Deine Reise neigt sich zum Ende
Bald bist Du am Ziel

Selbstherrlichkeit
Hemmt Deine Schritte am Anstieg
Lass das Ego los

Werde, der Du bist
Lass alles los, was nicht Du bist
Tat tvam asi*

Auf dem Weg hinauf
Verlierst Du all den Ballast
Den ‚Ich‘ Du nennst

Was hier zählt, ist Genuss
Was hier zählt, sind Macht und Gewinn
Doch hoch ist der Preis

Den Weg verlässt Du
Den Weg, der Dich zur Freiheit führt
Für ein Stückchen Speck

Tappst in die Falle
Gefangen im Weltgetriebe
Voll und satt und dumpf

Greifst nach dem Juwel
Steckst mit dem Arm in der Affenfalle
Öffnest nicht die Faust

Öffne Deine Faust
Lass Dich nicht blenden vom Schattenbild
Lass das Trugbild los

Verlasse die Bühne
Lass Dich nieder in der Loge
Betrachte das Stück

Sitze in Gleichmut
Das Drama folgt getreu der Handlung
Bis der Vorhang fällt

Den Edlen König
Gabst Du in seichter Komödie
Spieltest ihn wohl

Im nächsten Stück
Einem Trauerspiel warst Du ein Bettler
Geriet Dir schlecht

Rolle um Rolle
Nimmst Du an und spielst Deinen Part
Mal gut und mal nicht

Du bist Bewusstsein
Benutzt den Körper als Gefährt, so wie
Der Lenker ein Fahrzeug benutzt

Du bist Bewusstsein
Benutzt den Geist als Werkzeug
Wie ein User den PC

Solang Du glaubst
Körper zu sein oder Geist
Reduzierst Du Dich

Sei Bewusstsein
Vom nächsten Atemzug bis zum letzten
Sei Bewusstsein bloß

Unentstanden bist Du
Zeit entstand vielmehr in Dir
Läuft ab in Dir

Wo wäre Zeit
Wenn im Bewusstsein sie nicht wäre?
Es gäbe sie nicht

Unbegrenzt bist Du
In Dir erstreckt sich jeder Raum
Kein ‚Dort‘ zu finden

Siehst kein Selbst
Wie das Auge nie das Auge sieht
Abbilder nur

Ein Fernrohr
Blickst hindurch, siehst die ganze Welt
Siehst das Fernrohr nicht

Bist Erkennender
Bist niemals, was Du hast erkannt
Niemals Erkanntes

In die Innenwelt
Führt Dich Deine Pilgerfahrt
Ins Herzen hinein

Gehst Du nach Außen
Auf die Jagd nach Geld, Sex und Ruhm
Wird’s zur Odyssee

Fliehe Samsara
Das mit Klauen nach Dir greift
Dich zu halten sucht

Was Dir einst heilig
Verblasst ist längst jeder Reiz
Lass das Gewesene

Lehrer gaben Rat
Schriften boten Orientierung
Doch Du gingst voran

Setze die Segel
Das Kursbuch bringt Dich nicht ans Ziel
Handle weise stets

Wache nun auf
Aus dem Traum, den Du Leben nennst
Der Dich umfängt

Es fragt Dich im Traum
Ein Gefährte, ob dies hier die Wahrheit sei
Was antwortest Du ?

Ist der Gefährte
Weniger ‚Du‘ als der, den Du ‚Ich‘ nennst
In diesem Traum ?

Kämpfen würdest Du
In diesem Traum, um zu beweisen
‚Dies sei die Realität‘

Spotten würdest Du
Diesem Gefährten, wenn er spräche
Illusion ist alles dies

Stürze nicht hinab
In die Tiefe des Illusionären
Eil zum Notausgang

Geträumtes ‚Ich‘
Aus karmischen Fäden gewoben
Ursache und Wirkung

Saat bestimmt Frucht
Ein roter Faden gibt roten Stoff
Erkenne dies an

Reagiere nicht
Auf Gedanken und Gefühle
Beobachte nur

Du bist das Feld
In dem die Phänomene erscheinen
Kommen, sind, vergeh‘n

Erkenne Dich selbst
Als das Feld, den Raum, der alles umfasst
Tat tvam asi - Das bist Du

Anatta, Neti neti
Was Du erkennst, bist niemals Du
Ist Inhalt bloß

Bewusstsein bist Du
In dem alles, die Welt, das All erscheint
Wie Objekte im Raum

Siehe, ein Haus
Umgrenzt mit seinen Wänden den Raum
Trennt ihn vom Ganzen

Ist dieser Raum nun
Noch Raum oder ist er nun Haus?
Das Haus ist Illusion

Aus der Sicht des Raums
Nicht wirklich existiert das Haus
Raum war es immer, wird’s stets sein

Zerfällt das Haus
So bleibt der Raum derselbe
Bloß ohne Wände

Wieder verbunden
Mit dem einen Raum von dem er
Niemals war getrennt

Eine Kirche entsteht
Im Raum, der einst das Haus umfasst‘
Kirche heißt er nun

Im Laufe der Zeit
Wird er noch viele Namen tragen
Nichts wird er in Wahrheit sein - nur Raum

Du bist dieser Raum
Nimmst Namen, Identitäten an
Die kurz Du verkörperst

Erkenne Dich als Raum
Als Träger des Wandels in ihm
In Dir wirkt das All

Anatta - Neti Neti
Was sich wandelt bist nicht Du
Papier bist Du, nicht Schrift

Eine Seite Papier
Vermag jedes Wort aufzunehmen
Seite bist Du, nicht Wort

Bist nicht auf Suche
Vielmehr bist Du auf der Flucht
Vor eben diesem Moment

Ein ewiges Selbst
Wirst Du in dieser Welt nicht finden
Suche nicht, Sei !

Es liegt Dein Weg
Stets nur unter Deinem Fuß
Wandle ihn bewusst

Es ist der Königsweg
Erweise Dich würdig der Krönung
Für die Du bestimmt

Samsaras Agenten
Bedrängen Dich, im Tal zu bleiben
Steig zum Gipfel hoch

Den Ego-Kerker
Der Dich im tiefen Leiden hält
Du hast ihn selbst gebaut

Verlasse die Haft
Das Tor steht schon weit offen
Fass Mut und tritt hinaus

Schwelle überschritten
Hier beginnt Deine Heldenreise
Bleib auf Deinem Kurs

Das Selbst gibt es nicht
Nicht weil es nirgends ist
Es ist überall

Wo in Deinem Traum
Befindet sich Dein Bewusstsein ?
Doch wohl überall

Wo ward gesehen
Dass Materie Bewusstsein schafft
Einfach so aus sich ?

Wo ward gesehen
Das Bewusstsein Materie erschafft ?
Jede Nacht im Traum

Es lehrt die Erfahrung
Dass Bewusstsein vor Materie ist
Und glauben es sei umgekehrt

Das Joch des Ego
Unterdrückt Dein wahres Sein
Befreie Dich davon

Jeder Tagtraum ist
Ein Tauchen in Illusionen
Eine Inkarnation

Bedenke es wohl
Ohne Schmerz ist Befreiung nicht möglich
Mache Dich bereit

Ein Kult lediglich:
Religion, die nicht im Herzen entsteht
Halte Dich fern

Feld der Wahrheit
Begib Dich in seine Sphäre
Feuer angefacht

Rüste Dich zum Aufbruch
Beschreiten musst Du die Reise selbst
Bist Deiner Reise Held

Sie beginnt von dort
Von wo Du Dich befindest
Setze den ersten Schritt

Furchtbare Gebiete
Hast Du dabei zu durchwandern
Bewahre Deinen Mut

Ziehe durch die Wüste
Ins gelobe Land zu gelangen
Des Einzuges würdig

Heiliges Wissen
Erlangst Du auf der Pilgerreise
Wende es weise an

Du saßt in der Höhle
Starrtest auf die Schattenbilder
Hieltst sie für real

Bist aufgebrochen
Zur Reise zum Ausgang der Höhle
Tritt ins Sonnenlicht

Du bist Bewusstsein
Projizierst die Welt in Dich hinein
Erlebst sie als Fragment

Wie der Raum
Des Hauses sich als Haus erfährt
Bleibt er dennoch Raum

Dieses Fragment
Erfährst Du in der Welt als ‚Ich‘
Verlorener Sohn

Bildung des Fragments
Ist der Auszug aus dem Paradies
Der Sündenfall

Sünde bedeutet:
Von der Einheit getrennt
Der Einheit die Du bist

Ahnungslos wandert
Das Fragment durch Illusion
Wie durch fremdes Land

Der Kinobesucher
Taucht ein in den Film, Welt vergessend
Von der Einheit getrennt

Dies ist Unwissen - Avidya
Erster Schritt zur Illusion
Trennung geschieht

Subjekt im Traum
Weiß nicht, dass es bloß geträumt
Dies ist Avidya

Geliehen ist bloß
Das Bewusstsein des ‚Ich‘ im Traum
Von Dir, dem Träumer

Durch Avidya nun
Kann Maya das Drama erschaffen
Das ‚Leben’ Du nennst

Bring dieses Fragment
Jetzt zurück zur Einheit
Dies ist Sinn des Seins

Ungenügend ist die Welt
Auf dauerndes Glück nicht zu hoffen
Jede Freude währt nur kurz

Du redest von Besitz
Was in Wahrheit bloß geliehen ward
Bald fordert man‘s zurück

Es naht schon der Tag
Die Gläubiger steh’n vor der Tür
Holen sich alles zurück

Was nennst Du alles ‚Dein‘
Dein Auto, Dein Körper, dein Leben
Wie lang ist das noch Dein

Das Auto Schrott
Der Körper tot, das Leben fort
Ist dies noch alles Dein ?

Folge Ashtavakra
Pfad zur Freiheit liegt offen zutage
Richte das Steuer aus

Klarer Kopf, ruhiges Gemüt
Gar angenehme Wegbegleiter
Auf der Heldenreise

Verbleibe im Moment
Flüchte Dich nicht in Hoffnungen
Nicht in diffuse Ängste

Kein nächstes Leben
Lässt sich für Dich erfahren
Leben ist immer ‚Jetzt‘

Jede Zeit ist jetzt
So flücht’ nicht in virtuelle Welten
Bleibe im Moment

Karma das ist Handeln
Handeln vermagst Du nur im Jetzt
Weise, wer dies erfasst

Heute säst Du die Samen
Erntest heut‘ auch die Früchte davon
Worauf willst Du warten ?

Bewusstsein bist Du
Zum Zweck der Erfahrung selbst limitiert
Befreie Dich zum Einen

Du bist nicht im Drama
Das Drama befindet sich in Dir
Sei Zeuge, nicht Akteur

Sieh nüchtern hin
Wie ein Zeuge, unbeteiligt
Ohne zu bewerten

Du bist das Papier
Auf dem die Worte geschrieben sind
Papier bist Du, nicht Wort

Wie Dir das Papier
Nicht gewahr, wenn Du Worte liest
Übersiehst Du Dich selbst

Nicht Inhalt bist Du
Raum bist Du, der Inhalt umfasst
Der Weltling nicht erkennt

Du siehst wohl das Haus
Übersiehst den Raum, den es einnimmt
Der Haus in Wahrheit ist

Du, Bewusstsein
Bist das, was weiß, dass es ist
Das Erkennende

Was Du erkennst
Kannst niemals Du als ‚Selbst‘ bezeichnen
Neti Neti - Anatta

Zeit und Raum, so denkst Du
Wär’ vor Dir gewesen, wird nach Dir sein
Beides doch entsteht in Dir

Zeiten und Räume
Erschaffst Du in Dir, gleich dem Träumenden
Rein aus dem Geist heraus

Objekte, die Du Welt nennst
Wo als im Bewusstsein erkennst Du sie ?
Wo ist da ein ‚Außen‘ ?

Siehst Du den Baum?
Nein, bloß ein Abbild von diesem
Erzeugt in Deinem Geist

Die Objekte, die Welt
Im Außen ist da nichts zu finden
Selbst ein Außen nicht

Wo wäre der Mond
Wäre er nicht in Deinem Geist?
Er wäre nirgendwo

Was wäre die Welt
Anders als Inhalt des Geistes?
Nicht anderes ist sie

Dich nicht besser fühlen
Wirst Du, wenn Du den Pfad betrittst
Doch Du wirst besser fühlen

Bleibe im Zentrum
Lass Dich nicht ins Drama ziehen
Bleibe Zeuge stets

Flüchtig, ohne Substanz
Die scheinbar soliden Objekte
Vom Weltling gejagt

Wie unreife Kinder
Flüchten sie sich in Fantasien
Scheuen das eine Jetzt

Illusion durchschauen
Die in den tausend Dingen wirkt
Weg aus dem Labyrinth

Du sehnst Dich nicht
Nach Geld, Sex, Ruhm und Wein
Sehnst Dich nach Empfindung

Was Du empfindest
Dies ist die wahre Motivation
Deiner unsteten Jagd

Begehrst nicht die Yacht
Das Hochgefühl des Besitzes suchst Du
Wird bald schon zur Sucht

Sei demütiger Pilger
Ins heilige Land des Herzens wandernd
Die Freiheit zu finden

Irrst seit Jahrzehnten
Durch Wüsten, gelobtes Land zu finden
Das Dir verheißen ward

Bist ausgezogen
Dich aus Knechtschaft zu befreien
Hast es bald erreicht

Lebst um den Sinnen
Zu Diensten zu sein, den Trieben hörig
Ein gehorsamer Knecht

Nur kurz befriedet
Ist der Trieb und erwacht schon aufs Neu‘
Hat fest Dich im Griff

So lebst Du im Grunde
Leben um Leben den Trieben gehorchend
Ohne dies zu sehen

Doch hast Du erkannt
In welchem Hamsterrad Du kreist
Die Reise beginnt

Du hörst dann auf
Bloß Marionette zu sein
Schneidest ab die Fäden

Durchschaue das Ego
Es führt Dich in die Irre
Weis‘ es in die Schranken

Eine Traumgestalt
Ein Konstrukt vom Geist gezaubert
Fall nicht darauf herein

Die alten Zeiten
Nur in der Gegenwart sind sie zu finden
In Deinem Geist

Die fernen Länder
Wo sind sie anders als hier
In Deinem Geist

Nichts anderes je
Wird Dir begegnen als Inhalt des Geistes
Gedanken wahrzunehmen

Es ist ein Affe
Nichts weiter als der Gedanke an ‚Affe‘
Nichts weiter sonst

Wo wäre der Affe
Wenn Du nicht an den Affen denkst
Er wär nirgendwo

Es verführt der Ruhm
Es locken Dich Reichtum und Luxus
Köder sind es nur

Beiße nicht hinein
Zappelnd, leidend hängst am Haken
Hängst erneut in der Falle

Es führt der Pfad
Durch leere Gefilde, kein Applaus
Da am Wegesrand

Allein im Kriegsgebiet
Hast Du Deinen Kampf zu führen
Desertiere nicht

Fort von der Welt
Führt Dich diese Heldenreise
Bist Du dazu bereit ?

Deshalb Heldenreise
Der Schwache gelangt nicht ans Ziel
Rüste Dich zum Kampf

Den Sinnesgenüssen
Bist Du nachgerannt, stehst nun hier
Mit leeren Händen

Die Genüsse von einst
Was sind sie anders als Gedanken im Jetzt
Mehr waren sie nie

Aus der Abhängigkeit
Löse Dich, überwinde die Sucht
Nach den Gedanken

Such im Traum ein Selbst
Was im Traum ist, bist nicht Du
Nichts ist da zu finden

Von Räubern überfallen
Die Räuber im Traum sind ebenso Du
Wie ‚Du’, der Überfallene

Wie klein sind die Dinge
Denen der Weltmensch jagt hinterher
So flüchtig und leer

Es lauert der Tod
Unmöglich ist es ihm zu entgehen
Befreunde Dich mit ihm

Alles hat seine Zeit
Seinen Raum, seinen Anfang, sein Ende
Werden, Sein, Vergehen

Hat Ruhm und Verdammnis
Halt Dich nicht fest an einem Punkt
Der Fluss fließt zum Meer

Es erfüllt der Zug
Nicht seinen Sinn, der im Bahnhof verbleibt
Erst in Bewegung

Dein wahres Selbst
Teil des Bewusstseins ist es nicht
Es ist Bewusstsein selbst

Sobald Du schläfst
Kannst Du vom Schlaf nicht mehr sprechen
So das Bewusstsein

Du trägst in der Hand
Was niemals Deine Hand sein kann
So mit dem Denken
















Stichworte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert