Mein Weg aus Samsara – Vom Leben im Ego zur Suche nach dem wahren Selbst

Die letzten vierzig Jahre meines Lebens waren – rückblickend betrachtet – ein Alibileben.

Das Wort Alibi bedeutet ursprünglich „anderswo“. Und genau das beschreibt meinen Zustand treffend: Ich war jahrzehntelang anderswo, nicht dort, wo mein wahres Wesen ist. Ich lebte nicht im Bewusstsein des Selbst, sondern im Bannkreis des Ego.

In dieser Zeit folgte ich bereitwillig den Impulsen des Ego.

Ich entwickelte Gewohnheiten, denen ich heute mit einem gewissen Abstand begegne, frönte verschiedenen Lastern und erfüllte die Wünsche und Forderungen dieses inneren Herrschers, als wäre ich sein gehorsamer Diener. Das Ego versprach Genuss, Unterhaltung und Ablenkung – und ich nahm diese Angebote an.

Unter diesem Leben wurde das, was im Advaita Vedanta Atman genannt wird – das wahre Selbst, reines Bewusstsein, immer mehr überdeckt.

Es war, als wäre dieses innere Licht von einer Lawine verschüttet worden. Das Bewusstsein des Selbst lag verborgen unter Schichten aus Gewohnheiten, Erwartungen, Rollen und Begierden.

Und doch: Ganz verschwunden war es nie.

Tief im Inneren wusste ich immer, dass es mehr gibt als dieses Leben im Ego.

Ich wusste, dass hinter der Person, hinter der Geschichte, hinter den Rollen eine Wirklichkeit existiert, die unvergleichlich stiller, weiter und wahrer ist.

Aber dieses Wissen allein genügte nicht.

Viele Jahre lang war ich nicht in der Lage – oder vielleicht auch nicht bereit –, dem Ego wirklich die Stirn zu bieten. Der weltliche Weg erscheint zunächst leichter. Er ist bequemer, unterhaltsamer und gesellschaftlich akzeptiert. Der Pfad zur Selbsterkenntnis, wie ihn die großen Traditionen des Vedanta beschreiben, wirkt dagegen oft still, einsam und beschwerlich.

Hinzu kommt etwas anderes:

Auch die Gesellschaft selbst – Familie, Freunde, Kollegen – betrachtet den inneren Aufbruch selten mit Begeisterung.

Wer beginnt, sich ernsthaft von den Mustern des Samsara, des Kreislaufs aus Gewohnheit, Begierde und Identifikation, zu lösen, wird leicht zum Fremden.

Die Welt bevorzugt Menschen, die berechenbar bleiben. Menschen, die weiterhin ihre Rolle erfüllen, verfügbar sind und das Spiel mitspielen.

Doch irgendwann kommt ein Punkt, an dem das alte Leben nicht mehr tragbar ist.

Für mich wurde dieses Gefühl über Jahre hinweg immer stärker.

Zunächst versuchte ich, es zu verdrängen. Ich überdeckte es mit Aktivität, Ablenkung und Rationalisierung. Doch das, was verdrängt wird, verschwindet nicht – es sucht sich andere Wege.

Bei mir zeigte sich dieser innere Konflikt schließlich auch körperlich.

Der Frust über ein Leben, das nicht mehr stimmig war, manifestierte sich als Krankheit. Der Körper begann auszusprechen, was die Seele lange Zeit verschwiegen hatte.

Gleichzeitig wurde eine andere Stimme immer deutlicher hörbar.

Eine stille, aber unüberhörbare innere Stimme.

Sie war nicht laut, aber sie war unnachgiebig.

Diese Stimme drängte mich – nein, sie befahl mir – endlich aufzubrechen.

Sie forderte mich auf, meine eigene Heldenreise der Selbsterkenntnis anzutreten und die erste Schwelle zu überschreiten: den Schritt aus dem gewohnten Leben des Ego in die unbekannte Weite der inneren Suche.

Im Vedanta könnte man sagen:

Es war der Beginn der Bewegung vom Ahamkara (Ego) zum Atman (Selbst).

Die Seiten dieser Website und die Bücher meiner Trilogien Auf dem Pfad und der Pfad des Ashtavakra sind die Reiseberichte dieses Aufbruchs.

Sie sind keine theoretischen Abhandlungen über Spiritualität.

Sie sind vielmehr der Versuch, einen Weg zu beschreiben, den viele Menschen irgendwann in ihrem Leben betreten – den Weg von der Identifikation mit der Person hin zur Entdeckung des reinen Bewusstseins, das immer schon gegenwärtig ist.

Es ist der Weg aus Samsara – zurück zum Selbst.

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